Allgemeine Anleitung zum Beschneiden von Obstbäumen (Teil 1): Auslichten und Entasten | Blog
Universalanleitung zum Obstbaumschnitt – Teil 1: Grundlegende Reinigung und Auslichtung
Es gibt unzählige Anleitungen zum Schneiden von Bäumen, und viele behaupten, dass nur ihre Methode die einzig richtige ist. Dieser universelle Ansatz ist jedoch auf die absoluten Grundlagen reduziert, die für die meisten Obstbäume auf mittelstark wachsenden Unterlagen gelten. Es ist eine Strategie, kein Dogma.
„Das Ziel des Schnitts ist nicht, den Baum zu bestrafen, sondern ihm zu helfen. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Bildhauer und Ihre Aufgabe ist es, ein luftiges und gesundes Kunstwerk zu schaffen.“
Dieser Leitfaden führt Sie durch die erste und wichtigste Phase – den Erhaltungs- und Auslichtungsschnitt. Gehen wir es Schritt für Schritt an.
Bevor Sie beginnen: Vorbereitung für die Mission
Wann schneiden?
- Hauptschnitt (Februar/März): Formschnitt, Verjüngung und Auslichtung. Dies ist der wichtigste Schnitt des Jahres.
- Juniknip (Ende Mai/Anfang Juni): Kürzen der neuen Triebe zur Förderung der Fruchtbarkeit.
- Sommerschnitt (nach der Ernte): Leichtes Auslichten und Entfernen des abgetragenen Fruchtholzes.
Welches Werkzeug benötigen Sie?
- Gartenschere: Für dünnere Äste (bis 2-3 cm Durchmesser).
- Astschere (Zweihand-): Für dickere Äste (bis 4-5 cm Durchmesser).
- Säge (Gartensäge): Für die dicksten Äste.
Tipp vom Experten: Scharfes und sauberes Werkzeug ist die Grundlage
Alle Werkzeuge müssen für glatte Schnitte scharf und sauber sein. Wischen Sie sie vor dem Schnitt jedes neuen Baumes mit einem in Alkohol getränkten Tuch ab. So verhindern Sie die Übertragung von Krankheiten.
Schnittanleitung: 4 einfache Schritte zu einer gesunden Krone
Sie stehen vor dem Baum und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen? Gehen Sie genau in dieser Reihenfolge vor.
Schritt 1: Entfernen Sie alles Tote, Kranke und Beschädigte
Dies ist der einfachste Schritt. Entfernen Sie ohne nachzudenken alles, was offensichtlich schlecht ist.
- Tote Äste: Sie sind trocken, brüchig, ohne Leben.
- Kranke Äste: Sie haben Krebswunden, Pilze oder sind verschrumpelt.
- Gebrochene Äste: Entfernen Sie sie bis ins gesunde Holz.
Wie schneiden? Immer bis ins gesunde Holz. Wenn ein ganzer Ast schlecht ist, entfernen Sie ihn komplett am Stamm oder am Astring.
Schritt 2: Entfernen Sie "Wasserschosse" und Wurzeltriebe
Diese Triebe stehlen dem Baum Energie und tragen keine Früchte.
- Wasserschosse: Das sind lange, gerade Triebe, die senkrecht nach oben aus dicken Ästen wachsen.
- Wurzeltriebe: Das sind Triebe, die vom Stamm in Bodennähe oder direkt aus den Wurzeln wachsen.
- Stammtriebe: Kurze Triebe, die direkt unter der Krone aus dem Stamm wachsen.
Wie schneiden? Entfernen Sie sie vollständig, direkt an der Stelle, an der sie herauswachsen.
Schritt 3: Entfernen Sie alles, was sich kreuzt und nach innen wächst
Das Ziel ist, die Krone für Sonne und Luft zu öffnen.
- Sich kreuzende Äste: Wenn zwei Äste übereinander wachsen und sich reiben, entfernen Sie einen (den schwächeren).
- Nach innen wachsende Äste: Alles, was zur Mitte des Baumes zeigt, muss weg.
- Zu steile oder hängende Äste: Entfernen Sie sie. Ideale Äste wachsen leicht schräg nach oben.
Schritt 4: Entfernen Sie überflüssige Äste
Treten Sie vom Baum zurück und betrachten Sie ihn aus der Ferne. Ist die Krone immer noch zu dicht?
- Wenn zwei Äste direkt nebeneinander in die gleiche Richtung wachsen, entfernen Sie den schwächeren.
- Goldene Regel: Ein Vogel sollte problemlos durch die Krone fliegen können. Wenn sie so dicht ist, dass er sich verheddern würde, muss sie weiter ausgelichtet werden.
Was haben Sie erreicht? Zusammenfassung von Teil 1
Der Prozess im Überblick
- Erhaltungsschnitt: Sie haben tote, kranke und beschädigte Teile entfernt (Schritt 1).
- Entfernung von "Parasiten": Sie haben Wasserschosse und Wurzeltriebe herausgeschnitten, die Energie stehlen (Schritt 2).
- Auslichtungsschnitt: Sie haben die Krone geöffnet, indem Sie sich kreuzende und nach innen wachsende Äste entfernt haben (Schritt 3 & 4).
- Ergebnis: Eine luftige und gesunde Krone, bereit für den nächsten Schnitt.
Nach Abschluss dieser vier Schritte haben Sie den wichtigsten Teil des Schnitts durchgeführt. Der Baum ist von allem befreit, was ihm schadet. Übrig geblieben sind Leitäste, Seitenäste, Endtriebe und kurzes Fruchtholz. Sie haben die Bedingungen für eine bessere Fruchtreife geschaffen und das Risiko von Pilzkrankheiten verringert.
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Fazit und Ausblick
Dieser Grundschnitt allein wird den Gesundheitszustand des Baumes und die Qualität der Ernte erheblich verbessern. Im nächsten Teil werden wir uns ansehen, wie wir mit dem, was am Baum übrig geblieben ist, weiterarbeiten – wie man einjährige Triebe kürzt und die Bildung neuen Fruchtholzes fördert, um auch in den kommenden Jahren eine reiche Ernte zu sichern.
Was ist Ihr größtes Problem beim Schneiden von Obstbäumen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!